Auf Scienceblogs.de (und anderswo) wird zur Zeit gerade über ein sehr interessantes Thema diskutiert: „Was macht gutes Wissenschaftsblogging aus?“.

Da ich ja auch den Anspruch erhebe, ein Wissenschaftsblog zu schreiben, hab ich natürlich auch konkrete Vorstellungen, was in einem guten Wissenschaftsblog enthalten sein sollte. Natürlich erstmal Wissenschaft! 😉 Aber wie diese Wissenschaft präsentiert wird, hängt selbstverständlich vom Publikum ab, für das man schreiben möchte. Für mich sind das vor allem erstmal Menschen, die keine Wissenschaftler sind. Meiner Meinung nach gehört zu den Aufgaben eines Wissenschaftlers ganz eindeutig auch die Wissensvermittlung – einerseits an die Studenten und den wissenschaftlichen Nachwuchs; andererseits auch an die Öffentlichkeit. Warum Wissen an die Studenten vermittelt werden soll, müsste klar sein und das brauche ich hier nicht weiter erläutern – auch wenn die Lehre leider im Allgemeinen von vielen Universitätsangestellten eher als lästige Pflicht anstatt als wichtige Aufgabe betrachtet wird. Aber noch mehr als die Lehre wird an vielen Instituten die Öffentlichkeitsarbeit vernachlässigt – und das ist absolut tragisch. Denn mittlerweile herrscht in Deutschland (und vielen anderen Ländern) ein eher wissenschaftsfeindliches Klima vor – die Menschen haben den Kontakt zu den Universitäten verloren; wissen nicht, was die Wissenschaftler (die ja größtenteils von öffentlichen Geldern finanziert werden) dort anstellen; wissen vor allem nicht, wie wichtig diese Arbeit für alle ist! Ohne Forschung, ohne Wissenschaft wäre unsere moderne Welt nicht mehr vorstellbar – aber trotzdem wird es sehr oft verabsäumt, den Menschen zu zeigen, wie die Wissenschaft ihr Leben beeinflusst; es wird verabsäumt, den Menschen zu erklären, wie unsere moderne Welt überhaupt funktioniert. Und deswegen ist für mich die wichtigste Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit – und damit auch von Wissenschaftsblogging – den Menschen die Faszination zu vermitteln, die Wissenschaft ausübt! Wohl kein Wissenschaftler hat seinen Job gewählt, um finanzielle Reichtümer oder berufliche Sicherheit zu erlangen… (wohl eher im Gegenteil: wer reich werden will bzw. einen sicheren Job möchte, der sollte jeden anderen Job wählen – aber kein Wissenschaftler werden). Nein, die meisten Wissenschaftler machen ihre Arbeit, weil sie zutiefst von der Welt fasziniert sind und große Befriedigung dadurch erlangen, mit ihrer Forschung einen Teil zur Erklärung dieser Welt beitragen zu können! Und diese Faszination muss vermittelt werden! Dazu braucht es keine extremen, komplizierten Erklärungen. Auch keine extrem vereinfachten Beispiele… Dazu braucht es vor allem Engagement und persönliche Überzeugung! Begeisterung ist ansteckend! Wissenschaftsblogging sollte Begeisterung transportieren!

Dabei besteht allerdings die Gefahr, zu populär zu werden… Als Astronom könnte ich z.B. hier jede Menge wahnsinnig tolle und schöne astronomische Aufnahmen posten – und damit sicher viele Menschen begeistern. Aber ich als Astronom bin nicht nur von der rein ästhetischen Schönheit dieser Bilder angetan – sondern vor allem von dem Wissen, das es uns vermittelt. Und noch viel mehr von der Tatsache, das wir Menschen fähig sind, dieses Wissen zu erkennen! Gerade heute erst haben NASA/ESA eine Pressemitteilung veröffentlicht. Darin wird bekannt gegeben, das die bisher am weitesten entfernte Galaxie beobachtet werden konnte:

(auf das Bild klicken für eine größere Version)

Diese Aufnahme des Galaxienhaufens Abell 1689 ist an sich ein enorm schönes Bild. Aber die Tatsache, das wir fähig sind, ein Objekt, das 12,8 Milliarden Lichtjahre weit entfernt ist, zu beobachten, ist für mich viel erstaunlicher. Als das Licht dieser Galaxie seinen Ursprungsort verlassen hat, haben unser Sonnensystem und unsere Erde noch lange nicht existiert. Das Licht dieses Objekts, das wir jetzt sehen können, entstand „nur“ etwa 700 Millionen Jahre nach der Entstehung unseres Universums!

Ich möchte jetzt aber gar nicht zu sehr ins Detail gehen (bei badastronomy.com gibt es eine detaillierte Beschreibung) – es geht ja im Moment ums wissenschaftliche bloggen…

Es sollen also auch durchaus wissenschaftliche Inhalte vermittelt werden. Und man darf dabei das Publikum auch nicht für „dumm“ halten – ich habe festgestellt, dass sich fast alle Themen auch an Menschen ohne entsprechende Vorbildung vermitteln lassen. Den Fehler, den man allerdings nie machen darf, ist in Fachsprache zu verfallen – das ist tödlich für jede Öffentlichkeitsarbeit! Wenn man populärwissenschaftliche Vorträge hält (oder ein Wissenschaftsblog für die Allgemeinheit schreibt), dann muss man dabei anderes vorgehen, als bei Vorträgen vor Fachkollegen. So sollte man beispielsweise bei der Verwendung von Abbildungen immer darauf achten, wie das Publikum ohne entsprechendes Vorwissen darauf reagiert. Als Wissenschaftler ist man es gewöhnt, physikalische Diagramme, mathematische Kurven, Phasenräume u.ä. zu betrachten; der Leihe kennt oft nur simple Balkendiagramme aus den Zeitungen. Diagramme müssen daher an das jeweilige Publikum angepasst werden. Ich habe schon sehr oft populärwissenschaftliche Vorträge gehört, bei denen die Vortragenden einfach ihre Abbildungen 1:1 aus den wissenschaftlichen Fachjournalen übernommen haben – und vor einem erst verwirrten und später gelangweilten Publikum präsentiert haben…

Das, was ich oben über die Vermittlung von Wissen an die Öffentlichkeit gesagt habe, gilt im Prinzip auch für die Vermittlung von Wissen an Wissenschaftler anderer Disziplinen. Universalgelehrte gibt es heutzutage kaum mehr; die Spezialisierung der Wissenschaften wird immer stärker und stärker. Überspitzt gesagt: wer kein Fachmann ist, ist ein Laie. Interdisziplinärer Austausch ist nur dann möglich, wenn man nicht aneinander vorbeiredet. Deswegen sollte man auch im Gespräch mit Kollegen aus anderen Wissenschaftsdisziplinen keine Fachsprache verwenden.

Ein gutes wissenschaftliches Blog, das also sowohl die allgemeine Öffentlichkeit als auch Wissenschaftler anderer Disziplinen erreichen und interessieren soll, muss wissenschaftlich sein! Denn das, was uns Wissenschaftler fasziniert, ist die Wissenschaft! Wir müssen allerdings darauf achten, die Wissenschaft und die Begeisterung für die Wissenschaft so zu transportieren, das sie nachvollziehbar wird!

3 Gedanken zu „Was macht gutes Wissenschaftsblogging aus?“
  1. Wunderbar!
    Jetzt weis ich auch, warum ich hier die beschriebenen Dinge auch verstehe, obwohl ich sozusagen null Astronomie-Vorwissen habe (außer die Planetenklassen von Star Trek 🙂 )

  2. dank deiner fragerei über die gezeiten bin ich seit vorgestern auch dabei, genau zu erklären, wie das mit den gezeiten und dem mond genau ausschaut… ich hoffe, ich kriegs heute oder morgen fertig 😉 – ich hoffe, das ist dann auch noch verständlich…

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