Im Winter wird es kalt. In einer Eiszeit ist es auch im Sommer kalt und im Winter noch viel kälter. Aber vor 600 Millionen Jahren könnte die ganze Erde kalt gewesen sein. Unser kompletter Planet könnte sich unter dicken Eisschicht befunden haben. Für diese Schneeball-Erde-Hypothese gibt es viele gute Hinweise. Und wenn es tatsächlich so war, dann war die totale Vereisung der Erde wahrscheinlich die bisher größte Herausforderung für das Leben auf unserem Planeten…

Und wie immer gibt es weiter unten eine Transkription des Podcasts.

SG_Logo

Die Folge könnt ihr euch hier direkt als YouTube-Video ansehen oder direkt runterladen.

Den Podcast könnt ihr unter

https://feeds.feedburner.com/sternengeschichten

abonnieren beziehungsweise auch bei Bitlove via Torrent beziehen.

Am einfachsten ist es, wenn ihr euch die „Sternengeschichten-App“ fürs Handy runterladet und den Podcast damit anhört.

Die Sternengeschichten gibts natürlich auch bei iTunes (wo ich mich immer über Rezensionen und Bewertungen freue) und alle Infos und Links zu den vergangenen Folgen findet ihr unter https://www.sternengeschichten.org.

Und natürlich gibt es die Sternengeschichten auch bei Facebook und bei Twitter.


Transkription

Sternengeschichten Folge 209: Schneeball Erde

In der Gegenwart haben wir das Problem, dass sich unsere Erde wegen des menschengemachten Ausstosses von Treibhausgasen immer weiter aufheizt. Die Erwärmung unseres Planeten ist ein großes Problem und wird in Zukunft ein noch viel größeres Problem werden. In der Vergangenheit könnte aber nicht Wärme sondern Kälte die größte Bedrohung für das Leben auf der Erde gewesen sein. Und zwar, als unser Planet komplett mit Eis bedeckt war. Als die Erde ein Schneeball war…

Dass sich das Klima der Erde langfristig ändert, ist bekannt. Ich habe schon in Folge 55 der Sternengeschichten über die Milankovic-Zyklen gesprochen; die langfristigen Variationen in der Umlaufbahn der Erde die durch die gravitativen Störungen der anderen Planeten ausgelöst werden und zu unterschiedlich starker Sonneneinstrahlung und klimatischen Veränderungen führen. In Folge 81 habe ich vom Wilson-Zyklus erzählt; dem durch die tektonischen Prozesse ausgelösten langsamen Tanz der Kontinente und der Bildung und Zerstörung von Superkontinenten der ebenfalls das Klima beeinflussen kann.

Eis gibt es zur Zeit nur an den Polen der Erde. Früher war das anders... (Bild: NASA's Goddard Space Flight Center)
Eis gibt es zur Zeit nur an den Polen der Erde. Früher war das anders… (Bild: NASA’s Goddard Space Flight Center)

Geologen wissen schon seit langem, dass sich Warm- und Eiszeiten in der Geschichte der Erde abwechseln. Heute sind überall noch die Spuren der letzte Eiszeit zu sehen, die erst vor ein paar Jahrtausenden zu Ende ging. Die damals weit in den Süden und von Skandinavien bis nach Deutschland hinein gewanderten Gletscher haben die Landschaften geprägt, die sich uns heute eisfrei präsentieren; ihre kalte Vergangenheit aber nicht verstecken können.

Eiszeiten sind also nichts besonderes. Aber manche Geologen vermuten, dass es früher nicht einfach nur normale Eiszeiten gegeben haben könnte. Sondern eine globale Vereisung des Planeten. Die Gletscher wären von den Polen nicht einfach nur ein Stückchen weiter in die gemäßigten Breiten gewandert. Sondern bis in die Tropen; bis zum Äquator. Dort wo heute dauerhaft hohe Temperaturen herrschen und Eis nur in den Gläsern gekühlter Getränke zu finden ist sollen sich vor 600 bis 700 Millionen Jahren mächtige Gletscher und alles unter einer viele Meter dicken Eisschicht befunden haben.

Das klingt absurd, aber die geologischen Spuren die darauf hindeuten hat man schon in der zweiten Hälften des 20. Jahrhunderts entdeckt. In Gesteinsschichten in der Nähe des Äquators entdeckten Geologen deutliche Spuren von Vergletscherung. Inmitten von komplett regelmäßig abgelagerten Sedimentschichten stecken dort zum Beispiel riesige Felsbrocken und der einzige bekannte Weg auf dem sie dorthin gelangt sein können, sind Gletscher. Die mächtigen Eisströme können große und kleine Steine mit sich führen und wenn sie dann auftauen, werden die Felsbrocken dort fallen gelassen, wo sie sich gerade befinden. Sie liegen dann in geologischen Schichten, in denen sie eigentlich nichts zu suchen haben und genau dieses Verhalten hat man bei den Gletschern im hohen Norden und Süden der Erde oft beobachtet. Dort stellt das keine Überraschung dar; in der Nähe des Äquators dafür schon.

Früher dachten die meisten Wissenschaftler, dass die Plattentektonik der Grund dafür wäre. Die Kontinente bewegen sich zwar sehr langsam aber doch über die Oberfläche der Erde. Vielleicht waren die Regionen, die wir heute am Äquator sehen früher viel näher an den Polen und die Spuren der Gletscher stammen aus dieser Zeit? Einige wenige Geologen waren aber anderer Meinung und überzeugt, dass die Spuren von Gletschern in den Tropen tatsächlich bedeuteten, dass es früher Gletscher am Äquator gegeben haben muss – und wenn es dort Gletscher gibt, dann muss auch der Rest der Erde gefroren sein.

Das erschien unwahrscheinlich, denn es hat ja einen Grund, warum es am Äquator so heiß ist. Die Neigung der Erdachse führt in den gemäßigten Breiten zur klassischen Abfolge der Jahreszeiten. Am Äquator spielt die Neigung aber keine Rolle und deswegen gibt es dort auch keine Jahreszeiten. Es ist immer Sommer und immer heiß. Wo sollen da Gletscher herkommen?

Das fand der russische Wissenschaftler Michail Budyko heraus: Während des kalten Krieges zwischen der Sowjetunion und den USA in den 1970er und 1980er Jahren war man sehr an den Folgen atomarer Explosionen interessiert. Budyko wollte wissen, wie sich ein Atomkrieg auf das Klima auswirken könnte und entdeckte dabei einen interessanten Rückkopplungsmechanismus. Land und Ozean können Sonnenlicht absorbieren und sich aufwärmen. Eis dagegen reflektiert das Licht der Sonne. Je mehr Eis die Erdoberfläche bedeckt, desto mehr Licht reflektiert und desto weniger steht für die Erwärmung der Erde zur Verfügung. Es wird immer kälter, es bildet sich noch mehr Eis und das verstärkt wiederum die Abkühlung der Erde. Budyko fand, dass es einen Grenzwert gibt: Ist ein ausreichend großer Teil der Erde mit Eis bedeckt, dann ist die Vergletscherung nicht mehr aufzuhalten. Wenn die Gletscher vom Nordpol bis etwa zum südlichen Mittelmeer bzw. zur afrikanischen Küste vorrücken, dann hält sie nichts mehr zurück. Dann wird die Erde so kalt, dass sie komplett einfriert.

So konnte Budyko zwar erklären, wie die Erde zum Schneeball werden könnte. Aber es blieben zwei Probleme die noch nicht gelöst waren. Erstens: Wie kann man nachweisen, dass die geologischen Spuren der Gletscher am Äquator wirklich dort entstanden sind und nicht durch plattentektonische Prozesse aus den Polarregionen dorthin transportiert wurden? Und viel wichtiger, zweitens: Wie ist der Schneeball Erde wieder aufgetaut? Laut Budykos Model würde die vereiste Erde vereist bleiben. Sie würde so viel Sonnenlicht reflektieren, dass sie sich nie mehr erwärmen könnte. Das hat sie aber offensichtlich getan.

Zur Beantwortung beider Fragen hat vor allem der amerikanische Geologe Joseph Kirschvink maßgeblich beigetragen. Er nutzte paleomagnetische Methoden um den Entstehungsort der Gesteine zu identifizieren. In jedem Gestein findet man kleinste magnetische Einlagerungen. Wenn Gestein aus flüssiger Lava oder Magma entsteht, können sich die magnetischen Einlagerungen noch frei bewegen und richten sich – so wie eine Kompaßnadel – am Magnetfeld der Erde aus. Wird das Gestein dann fest, friert so auch die Richtung ein, in die die magnetischen Einlagerungen zeigen. Selbst wenn das Gestein durch tektonische Prozesse anderswo hin auf der Erde transportiert wird, bleibt diese Information erhalten. Dadurch konnte Kirschvink herausfinden, wo sich das Gestein gebildet hat, das die Spuren der Vergletscherung zeigte: Am Äquator! Das Eis war also tatsächlich dort. Die Erde musste in der Vergangenheit eingefroren sein.

Und wie taute sie wieder auf? Auch das untersuchte Kirschvink: Kohlendioxid ist ein starkes Treibhausgas und kann für eine Erwärmung der Erde sorgen. Es wird nicht nur von uns Menschen produziert sondern auch durch natürlich Prozesse, zum Beispiel bei Vulkanausbrüchen. Durch Vulkanismus gelangen auch noch andere Treibhausgase in die Atmosphäre. Normalerweise gibt es Prozesse die dafür sorgen, dass sich nicht zu viel davon ansammeln kann. Regen zum Beispiel kann das Kohlendioxid aus der Atmosphäre waschen. Aber Regen gab es auf dem Schneeball Erde nicht! Alles Wasser war gefroren. Der Vulkanismus konnte also immer mehr CO2 in die Atmosphäre pusten, das sich dort in immer größeren Mengen ansammelte, bis der Treibhauseffekt irgendwann zum Auftauen des Schneeballs Erde sorgte.

Das ist nur ein normaler Winter (des Jahres 2010); bis zum Schneeball fehlt noch einiges! (Bild: Jeff Schmaltz, MODIS Rapid Response Team, Goddard Space Flight Center)
Das ist nur ein normaler Winter (des Jahres 2010); bis zum Schneeball fehlt noch einiges! (Bild: Jeff Schmaltz, MODIS Rapid Response Team, Goddard Space Flight Center)

So simpel wie in diesem kurzen Überblick ist die Geschichte der vereisten Erde in der Realität aber leider nicht. Einerseits gibt es noch viele andere Spuren die darauf hindeuten, dass es diese Phasen der kompletten Vergletscherung tatsächlich gegeben hatte. Den kosmischen Staub zum Beispiel: Tag für Tag rieselt kosmischer Staub aus dem All auf die Erde und sammelt sich hier an. Dieser Staub enthält das Metall Iridium, das im Weltall häufig vorkommt, auf der Erde dagegen selten, da es in der Frühzeit des Erdgeschichte in den Kern des Planeten gesunken ist. Als die Erde während der Schneeballphase vereist war, muss sich das Iridium aus dem Weltallstaub daher im Eis angesammelt haben und als das Eis taute muss daraus eine Gesteinsschicht entstanden sein, die viel mehr Iridium enthielt als die darüber oder darunter. Genau das hat man auch entdeckt. Andererseits könnte dieser Irdium-Überschuss auch ganz ohne Gletscher sondern durch einen Asteroideneinschlag entstanden sein.

Kritiker der Schneeball-Erde-Hypothese weisen auch darauf hin, dass man die paläomagnetischen Messungen anders interpretieren kann. Und vor allem, dass das Leben auf der Erde schon lange vor der Schneeball-Phase entstanden ist und eigentlich während der globalen Vergletscherung aussterben hätte müssen. Komplexes Leben gab es damals zwar noch nicht, aber auch die simplen Mikroorganismen brauchen Licht und Wärme die sie unter einer Eisschicht nicht bekommen. Dem entgegen die Schneeball-Anhänger, dass manche Bakterien zum Beispiel auch im Eis überleben können. Und das man auch schon in den unterirdischen und unter dicken Eispanzern liegenden Seen der Antarktis Mikroorganismen gefunden hat. Vielleicht hat sogar gerade das Ende der Schneeballphase dem Leben bei seiner Weiterentwicklung geholfen. Damals kamen auf einen Schlag viele chemische Nährstoffe in die Ozeane der Erde und die überlebenden Organismen könnten sich dann besser und schneller entwickelt haben als zuvor.

Die Lage wird vorerst nicht ganz eindeutig bleiben. Dass es in der Vergangenheit der Erde Phasen gegeben hat, in denen große Teile des Planeten unter einer Eisschicht lagen, scheint unstrittig. Ob es sich dabei wirklich um die ganze Erde gehandelt hat oder ob vielleicht einige Regionen doch eisfrei geblieben sind, wird noch diskutiert. So oder so: Wenn es im Winter bei uns wieder einmal kalt werden sollte, sollten wir uns nicht beschweren. Denn es könnte alles noch viel schlimmer sein!

42 Gedanken zu „Sternengeschichten Folge 209: Schneeball Erde“
  1. Unter dem Titel ist 2003 ein lesenswertes Buch von Gabrielle Walker erschienen:
    Schneeball Erde. Die Geschichte der globalen Katastrophe, die zur Entstehung unserer Artenvielfalt führte.
    Bei der Lektüre ist man mitten drin in spannender Forschung. Ich weiß nicht, ob es noch erhältlich ist. ISBN 978-3827004352

  2. Nochmal zu Budykos Erkenntnis: seine Aussage war, dass wenn eine der Supermächte auf die Idee käme, die andere atomar anzugreifen und selbst wenn es dem Angreifer gelänge, die Zweitschlagskapazität des Gegners auszuschalten, der Krieg also in diesem Sinne gewonnen wäre, der Sieger davon nichts hätte. Denn es würde sich ein „nuklearer Winter“ einstellen, aufgrund des aufewirbelten Staubs, den die Menschheit dann wohl in Gänze nicht überleben würde. Ja, so ist das. Das wäre die Antwort auf die Frage Donald Trumps gewesen, der neulich wissen wollte, warum man denn Atomwaffen nicht einsetzt, wenn man sie denn hat. Deswegen. Aber scheinbar weiß das niemand mehr.

    Vulkanismus ist ja für das Phänomen eine gute Erklärung: denn erstens spuckt der Vulkan Unmengen an Staub aus, andererseits aber auch jede Menge CO2. Der Staub setzt sich irgendwann wieder, aber das CO2 bleibt. Wir haben also zuerst einen kühlenden Effekt, dann wieder einen wärmenden. Passt.

  3. @abc

    Meinst du Milchmädchenrechnung?
    Den Begriff „ein Milchmaedchenmodell“ höre ich zum ersten Mal.

    Eine Milchmädchenrechnung (in der Schweiz Milchbüchleinrechnung) ist die spöttische Bezeichnung für eine naive Betrachtung oder Argumentation, die wesentliche Rahmenbedingungen nicht beachtet oder falsch in Ansatz bringt und deshalb zu einem nur scheinbar plausiblen, tatsächlich jedoch unzutreffenden Ergebnis kommt.

  4. @abc

    Ach? Warum hat es dann auf der Venus fast 500° C? Die bekommt in etwa die doppelte Wärmeleistung pro Fläche im Vergleich zur Erde ab. Reflektiert aber dank ihrer geschlossenen Wolkendecke auch ca. die dreifache Menge an Sonnenlicht (sphärische Albedo).

    Eigentlich müsste es also auf der Venus kühler sein als auf der Erde sein. Der auf den Boden gelangende Wärmestrom ist nur ca. 2/3 desjenigen der Erde, was nach dem Stefan-Boltzmann-Gesetz eine absolute Temperatur von 0,9 (4. Wurzel aus 2/3) -mal der Temperatur der Erde ergeben sollte. Die liegt deutlich unter 300K, also käme die Venus auf unter 270K, da müsste es also eigentlich frieren.

    Erklär‘ mal.

  5. Nochmal: wie funktioniert ein Treibhaus? Das Sonnenlicht fällt durch das Glas und wird vom Boden reflektiert. Allerdings nicht mit derselben Frequenz, sondern ins Infrarote verschoben. Diese Strahlung kann das Glas nicht mehr passieren und bleibt im Treibhaus drin und heizt dort.

    Genau so wie die Scheibe wirkt das CO2, das ist im Labor reproduzierbar und messbar. Ich stelle immer wieder fest, dass es genau hier am Verständnis fehlt.

  6. Weiß man etwa wie hoch die CO2 Konzentration verursacht durch die Vulkane war die den Schneeball Erde aufgeheizt hat?

    Wie kam es, dass die Erde dabei nicht übermäßig heiß wurde?

    1. @Ernie

      Wie kam es, dass die Erde dabei nicht übermäßig heiß wurde?

      Meine Vermutung ist,dass das CO2 durch den einsetzenden Regen aus der Luft ausgewaschen wurde.

  7. @Karl-Heinz,

    Meine Vermutung ist,dass das CO2 durch den einsetzenden Regen aus der Luft ausgewaschen wurde.

    Ich denke, dass sollte mehr als eine Vermutung sein, weil es ein ganz normaler Prozess ist, der zwangsläufig auftritt.

    Es kommt noch ein weiterer Effekt hinzu: Durch die einsetzende Erosion von Gesteinen wurden auch Calcium- und Magnesiumionen freigesetzt, die mit Carbonationen schwer lösliche Verbindungen bliden und so den größten Teil des CO2s aus der Atmosphäre entfernten

    Und ein dritter Effekt: Die bereits vorhandenen zur Photosynthese fähigen Mikroorganismen haben ebenfalls große Mengen des CO2s zu Biomasse assimiliert.

    1. @Holger Gronwaldt
      Ja … cool erklärt.

      @Ernie

      Weiß man etwa wie hoch die CO2 Konzentration verursacht durch die Vulkane war die den Schneeball Erde aufgeheizt hat?

      Laut Wikipedia:
      Das Ende der Vereisung wurde nach ihrem Modell durch vulkanische Ausgasung herbeigeführt, die den Kohlendioxid-Gehalt der Erdatmosphäre auf das 350-fache des heutigen Wertes ansteigen ließ und eine rasche, deutliche Erwärmung der Erde und das abrupte Abschmelzen des Eises nach sich zog.

  8. @Karl-Heinz, #12,

    die Darstellung, zu der Du verlinkt hast, enthält zwar ein paar zutreffende Elemente, ist aber in ihrer Vereinfachung dann doch grob irreführend.

    In der Atmosphäre gibt es nämlich keine „Schicht“ von Treibhausgasen (etwa vergleichbar mit der Ozonschicht, die tatsächlich nur wenige Kilometer Schichtdicke umfasst).

    Die Treibhausgase sind in der gesamten Atmosphäre verteilt und dort auch überall als solche wirksam.

    Leider sind die Zusammenhänge recht kompliziert und man kann sie mit einfachen Bildern nicht erklären. Aus diesem Grunde gibt es viele Menschen, die die Wirksamkeit von CO2 als Treibhausgas anzweifeln. Darunter sind sogar Leute mit naturwissenschaftlichen Grundkenntnissen bis rauf zum Professor. Aber offensichtlich reicht deren Detailwissen nicht aus, den Gesamtzusammenhang zu erfassen. Oder sie blenden unbewusst einen Teil der Realität aus, weil ihnen die Konsequenzen nicht schmecken. Schwieriges Thema!

  9. „Kohlendioxid-Gehalt der Erdatmosphäre auf das 350-fache des heutigen Wertes“

    Wieso müssen wir uns dann um die Klimaerwärmung heute Gedanken machen, wenn die Konzentration heute ca. 1 / 350 ist?

    Muß man sich dass so vorstellen, dass es nach dem Schneeball Erde zu einem Backofen Erde kam und die Temperatur erst eine Million Jahre später normal wurde?
    Oder hat das Eis auf der Erde so lange als Puffer gedient bis rechtzeitig der große Regen began?

    1. @Ernie: „Wieso müssen wir uns dann um die Klimaerwärmung heute Gedanken machen, wenn die Konzentration heute ca. 1 / 350 ist?“

      Ich werde nie verstehen, wieso manche Menschen das tatsächlich für ein Argument halten.
      „Früher war es viel schlimmer, da müssen wir uns heute doch keine Sorgen machen!“ – Was soll das für ein unsinniges Argument sein? Ja, natürlich hat sich das Klima auch ohne Menschen verändert; teilweise sogar enorm stark. Aber damals gab es eben keine Menschen, die sich darüber Gedanken machen mussten. Hätte es welche gegeben, dann wäre die Lage für sie noch viel beschissener gewesen als heute. Wir müssen uns heute Sorgen über den Klimawandel machen, weil wir heute auf diesem Planeten leben und wir heute davon betroffen sind!

  10. @Florian Freistetter #20

    Damit hast du meine Frage von #19 nicht beantwortet, sondern mich nur beleidigt (Was soll das für ein unsinniges Argument sein?)

    Kannst du dich bitte erstmal beruhigen und meine Frage vernünftig beantworten?

    Wurde die Erde damals zum Backofen, oder diente das Eis als Puffer, oder …?

  11. @Ernie

    Wieso müssen wir uns dann um die Klimaerwärmung heute Gedanken machen, wenn die Konzentration heute ca. 1 / 350 ist?

    Weil heute nicht die Frage ist, ob das Leben generell auf der Erde überleben kann, sondern ob der menschliche Lebensraum und die Quellen der menschlichen Ernährung alles gut überstehen. Ein paar Grad mehr hat schon direkt Einfluss auf die Umwelt (mehr als durchschnittliche Erwärmung an einigen Orten, einige Orte werden deutlich trockener, andere feuchter), aber wenn das arktische Eis weiter so schmilzt, kann sich das ganze Wettersystem der Nordhalbkugel umstellen.

    Muß man sich dass so vorstellen, dass es nach dem Schneeball Erde zu einem Backofen Erde kam und die Temperatur erst eine Million Jahre später normal wurde?
    Oder hat das Eis auf der Erde so lange als Puffer gedient bis rechtzeitig der große Regen began?

    Damals wäre das Kohlendioxid etwas über 1 Prozent der Atmosphäre gewesen. Und die große Eisschmelze ging natürlich um den Äquator los, so dass es eine lange Phase gab, wo schon wieder viel offenes Wasser zur Verfügung stand, das verdunsten und beim Abregnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre spülen konnte. Dazu kommen noch andere Bindungsprozesse und natürlich das Leben selbst, das nun sich wieder ausdehnen konnte, wobei die Pflanzenvorgänger auch wieder Kohlendioxid in ihre Organismen einbauten.

    Insgesamt konnte sich so der Kohlendioxidgehalt auf ein Niveau einpendeln, wo er dem Leben nicht mehr gefährlich werden konnte. Hätte er dies nicht getan (wie auf der Venus), wären wir heute nicht hier.

  12. Oha, da hast du ja einen Stein ins Wespennest geworfen Florian 🙂

    Ernie, er hat eine von drei Fragen beantwortet. Sei lieb. Die anderen Fragen wurden von anderen Leuten beantwortet.

    Und noch meine persönliche Meinung: Ja, ein Meter Meeresspiegel macht einem gebürtigen Schleswig Holsteiner tatsächlich ganz schön Angst. Da brauchen wir gar keinen Wüstenplanet Erde oder Eisplanet Erde, wenn ich zur Arbeit schwimmen muss und den Fernseher ins erste Obergeschoss stellen muss dann finde ich das schon längst nicht mehr schön.

  13. @ Ernie,

    Die Sonnenaktivität steigt über die Zeit an. Zum letzten Snowball Earth event betrug sie etwa 70% der heutigen Aktivität. Um da ein einigermassen erträglicher Klima zu haben bedarf es höherer Kohlendioxidkonzentartion auf der Erde und das hast Du zu eben jener Zeit. Sonnenaktivität und Kohlendioxidniveau spielen ein gemeinsames Spielchen auf der Erde und das Kohlendioxid wirkt sozusagen als Thermostat für das heizungssystem, während die Sonne der Heizkessel ist. Heizt du mit höherer Vorlauftemperatur kannst Du die Thermostate runterdrehen sozusagen.

    Sorgen machen müssen wir uns nicht um die Erde, sondern stell dir einfach mal vor dass 80% der Menschheit in Küstengebieten wohnt (Nein, ich meine nicht Bangladesh…naja, auch…ich meine London, Hamburg, und wenn Du so willst auch Köln). Wenn das eintritt, was seriöse Forschung in den letzen Jahren mehr und mehr bestätigt, dann ist in Hamburg in weniger als 50 Jahren Land unter. Das willst Du nicht, weil dann nämlich…und jetzt kommt das einzige Argument was leider bei vielen Zeitgenossen zählt…gleichzeitig 50 Millionen Bangladeshis vor den Grenzen Deutschlands stehen.
    Gewiss muss das nicht eintreten, aber die Wahrscheinlichkeit dass es eintritt ist grösser als 50%.
    Allein das ist Grund genug die Augen aufzumachen und den Kopf nicht in den Sand zu stecken.
    Das ganze ist übrigens nicht erst seit Al Gore bekannt sondern uralte Forschung aus der Mitte des 19 Jahrhunderts. Seit 1896 wissen wir auch schon um wieviel es in etwa wärmer wird.

  14. Man muss sich wundern, dass das Klima in der Erdgeschichte stabil genug geblieben ist, um Leben zu erhalten, und das obwohl die Leuchtkraft der Sonne um 30% abgenommen hat, CO2 im Laufe der Zeit aus der Atmosphäre entzogen wurde, und Wasser per Eis und Wolken allerlei Rückkopplungseffekte in den Strahlungshaushalt einbringt. Meteoriten, Vulkane, Plattentektonik …

  15. @AnglularMan,

    Man muss sich wundern, dass das Klima in der Erdgeschichte stabil genug geblieben ist, um Leben zu erhalten, und das obwohl die Leuchtkraft der Sonne um 30% abgenommen hat

    Irrtum, die Leuchtkraft der Sonne nimmt laufend zu. Sie war in der Vergangenheit um einiges schwächer als heute.

    Zweiter Irrtum: das Leben ist viel anpassungsfähiger als man vielleicht meint. So gibt es Lebewesen in heißen Quellen, die zum Teil um die 120° heiß sind oder bei noch viel höheren Temperaturen an den Schwarzen Rauchern. Andererseite, wie schon erwähnt wurde, auch Bakterien im Inneren der Antarktis. Fatal wäre eine abrupte Klimaänderung nur für uns Menschen, da wir dann niemals 7 Milliarden über die runden bringen könnten, vielleicht 70 Millionen oder auch nur 7 Millionen, je nachdem, wie stark die Veränderung ausfällt.

    Wir und vor allem unsere Nutzpflanzen sind nun einmal an ein bestimmtes Klima angepasst und wenn sich dieses zu sehr ändert, dann war’s das, zumindest für den größten Teil der Menschheit. Wenn Weizen, Reis und Mais nicht mehr mit dem Klima zurechtkämen, stünde der Menschheit eine sehr schwere Zeit bevor.

  16. Zum zweiten „Irrtum“: Ich hänge auch am mehrzelligen Leben, und die Bedingungen für komplexeres Leben scheinen doch etwas spezieller zu sein als für einzelliges.

  17. @AngularMan,

    und die Bedingungen für komplexeres Leben scheinen doch etwas spezieller zu sein als für einzelliges.

    Das ist grundsätzlich wohl zutreffend, aber wir übersehen sehr leihct, dass die Einzeller die wahren Beherrscher der Erde sind. Sie hat es Milliarden von Jahren vor den Vielzellern gegeben und sie wird es auch noch geben, wenn alles „höhere“ Leben auf der Erden längst Vergangenheit ist.

    Wir Menschen sollten uns auf die relativ kurze Zeitspanne, in der die Evolution uns gewähren lässt, nicht allzu viel einbilden, zumal wir alles daransetzen, sie durch eigenes Zutun noch kürzer zu machen.

    Und je eher wir einsehen, dass wir NICHT „das Ziel“ der Evolution sind, desto besser für uns. Kosmologisch betrachtet hat eine Erde ohne uns mindestens genau so viel „Sinn“ wie eine mit uns. Und für die meisten Mitbewohner der Erde wäre es ohnehin besser, es würde uns nicht geben.

    Treffen sich zwei Planeten ….

  18. @Ernie@19:

    abgesehen von der -sorry- schwachsinnigen frage, warum wir uns sorgen machen sollen, wenn der co2-gehalt schon mal das 350fache der gegenwärtigen konzentration betrug (selbst *wenn* daß nicht zu einer bratkartoffelerde führen würde); du willst nicht in einer welt leben, die dauerhaft 1% co2-gehalt in deiner atemluft hat, da werden wir alle (und ich meine *alle*, mensch wie tier) ganz schön rumkeuchen. maximal erlaubte konzentration am arbeitsplatz: 0,5%.

  19. @DasKleineTeilchen,

    Deine Warnung ist leicht übertieben. Außer einer geringen Zunahme der des Atemzeitvolumens passiert bei 1% CO2-Gehalt der Luft eigentlich nichts beim Menschen. Die Umwelt sähe dagegen wegen der Folgen für das Klima ganz anders aus.

  20. @Jonas Schimke:

    probier’s mal mit Lüften. Dann sinkt sich der CO2-Gehalt der Zimmerluft wieder auf ca. 0,04%.

    Erklär uns doch bitte, wie du die Kohlendioxid-Konzentration im Zimmer auf 0,04 % senken würdest, wenn von draußen „frische Luft“ mit satten 1 % herein käme.

  21. Die U-Bahn endet an der Longericher Strandpromenade, die früher einmal »Wilhelm-Sollmann-Straße« hieß… wo vor fast undenklich langer Zeit einmal mäßig attraktive Bauten aus den 50er Jahren des vorletzten Jahrhunderts standen, erheben sich nun glitzernde Hotels über einen palmengesäumten Boulevard. In einigen Kilometern Entfernung ragen zerklüftete Betonruinen aus dem Wasser – die Reste der Trabantenstadt Chorweiler, deren 15- und 20stöckige Wohngebirge sich als zu massiv erwiesen hatten, um wie die übrige Bebauung des ehemaligen Kölner Nordens abgetragen und zur Küstenbefestigung verwendet zu werden. Bei Ebbe sind die verwitterten Kolosse ein beliebtes Ziel für unternehmungslustige Wattwanderer, insbesondere, seit die ökologische Sanierung der gefluteten Bayer-Areale weiter im Norden im Winter 2144/45 abgeschlossen wurde. Seither droht im Watt der Kölner Bucht keine Gefahr mehr durch chemische Altlasten, allerdings sollte man sich vor den Zitronenhaien in Acht nehmen, die gerne in den Prielen auf Jagd gehen. Aber nichtsdestotrotz ist Köln ein unter Touristen beliebter Badeort am südlichsten Punkt der Nordsee… aber, was heißt Köln? Als um die Mitte des 21. Jahrhunderts die unter dem Meeresspiegel liegenden Gebiete der Niederlande aufgegeben werden mussten, siedelte sich die Bevölkerung Amsterdams, Den Haags und der »Randstad« fast geschlossen im höher gelegenen Teil der Niederrheinebene an, so dass rund drei Viertel der 3,1 Millionen Einwohner mittlerweile holländisch sprechen. Bei einer Volksabstimmung sprach sich daher kürzlich eine überwältigende Mehrheit dafür aus, die Stadt in Keulen-aan-Zee umzubenennen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.