Im Juni war ich wieder einmal intensiv damit beschäftigt, an meinem nächsten Buch zu schreiben. Ich bin es immer noch, weswegen mir wieder einmal nur wenig Zeit bleibt, mich hier im Blog den Büchern zu widmen, die schon geschrieben wurden. Aber natürlich kann ich die monatliche Bücher-Rückschau nicht einfach ausfallen lassen! Vor allem, weil ich im Juni jede Menge Bücher gelesen habe, die ich euch unbedingt empfehlen möchte!

Seltsamer Sport

Fußball-Europameisterschaft und olympische Spiele: Der Sommer 2016 steht im Zeichen des Sports. Passend dazu habe ich jede Menge Bücher über Sport gelesen. Seltsamen Sport…

flanagan

Wenn ihr ein ideales Buch für den Urlaub sucht, dann lest „Flanagan’s Run“ (auf deutsch: „Trans-Amerika“) von Tom McNab! Es hat zwar mit Sport zu tun, aber man muss kein Sport-Fan sein um es mit Begeisterung lesen zu können. Der Roman spielt im Amerika zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Wirtschaftskrise hat das Land gebeutelt – und da kommt die Ankündigung eines großen Rennens quer über den Kontinent gerade recht. Nicht mit Autos, sondern zu Fuß. Aus aller Welt treffen Läufer ein, die alle ihre eigenen Gründe haben, die Strapazen auf sich zu nehmen. Zu den rein sportlichen Problemen der langen Distanz kommen aber schnell auch noch politische Probleme, denn nicht alle finden es gut, dass so eine Veranstaltung stattfindet. Lest das Buch, es ist jetzt schon auf der Liste meiner absoluten Favoriten für dieses Jahr.

Und wenn es euch gefallen hat, lest von McNab auch noch „The Fast Men“ (auf deutsch: „Finish“). Wieder geht es um Läufer, aber diesmal spielt es zur Zeit des Wilden Westens. Und es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Trickbetrüger und Theaterschauspieler. Macht genau so viel Spaß wie „Flanagan’s Run“!

Kein Roman sondern ein Sachbuch ist „Feet in the Clouds: A Tale of Fell-Running and Obsession“ von Richard Askwith. Aber es ist ein Sachbuch, dass sich stellenweise fast wie ein Roman liest. Eine deutsche Übersetzung gibt es nicht, denn das was Askwith da beschreibt ist für Menschen außerhalb von Großbritannien kaum nachvollziehbar: „Fell Running“. Das lässt sich nur bedingt mit „Berglauf“ übersetzen; auch wenn es darum geht, Berge hinauf und wieder hinunter zu laufen. In England hat das ganze aber einen völlig anderen Hintergrund und eine lange Tradition die diese Art des Sports zu einer der typisch britischen Absurditäten macht, die aber trotzdem auf eine schöne Art liebenswert sind. Askwith beschreibt die Geschichte dieses seltsamen Sports, folgt aber auch ein ganzes Jahr lang den Läuferinnen und Läufer auf ihren Fell Runs quer durch Großbritannien. Und nimmt auch selbst daran teil. „Feet in the Clouds“ ist das zweite Buch, das ich euch für den Urlaub empfehlen möchte. Mit seinen skurrilen Protagonisten ist es unterhaltsam und amüsant; Askwiths teils schon poetische Sprache bei der Beschreibung des Sports macht es wunderbar lesbar und man muss auch nicht unbedingt selbst kalte Berge hoch und runter laufen um dem Charme dieses Buches zu erliegen.

Noch ein kleines Stück skurrilerist „Journeyman: One Man’s Odyssey Through the Lower Leagues of English Football“ von Ben Smith. Die Biografien berühmter Fußballer haben meistens eine klare Richtung: Von kleinen Vereinen in der Provinz bis zu den großen Clubs berühmter Ligen. Ben Smiths Karriere verlief genau anders herum. Er fing bei Arsenal London an und spielt derzeit in der achten Spielklasse. Dazwischen hat er alles erlebt, was man im britischen Provinzfußball erleben kann. Das Buch ist ein klein wenig trocken; Smiths beschreibt fast jedes Spiel das er als Profi absolviert hat. Aber dazwischen erfährt man viel über die Art und Weise wie der Sport abseits der großen Mannschaften und Turniere abläuft.

Ganz anders ist „Meine Olympiade: Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen“ von Ilja Trojanow. Trojanow hat sich vorgenommen, alle Disziplinen der olympischen Sommerspiele selbst zu absolvieren (und dabei mindestens halb so gut abzuschneiden wie der jeweilige Olympiasieger). Ein nettes Buch, aber nicht ganz das was ich mir vorgestellt habe. Manche Disziplinen handelt Trojanow auf wenigen Seiten ab, andere beschreibt er lange und ausführlich. Und meistens steht auch nicht der Sport selbst im Vordergrund, sondern die persönlichen Gedanken Trojanows dazu. Wer wissen will, wie die (Rand)Sportarten heute in Deutschland/Österreich ausgeübt werden findet nur wenig Informationen. Dafür aber einiges über die Kulturgeschichte des Sports. Ich hätte mir gewünscht, ein wenig mehr über Wettbewerbe zu erfahren. Wie läuft ein Turnier beim Bogenschießen ab? Was muss man machen, wenn Ringer werden will? Und so weiter – aber Trojanow nimmt nur sehr selten an echten Wettbewerben teil. Trotz allem ein interessantes Buch.

„Laufen. Essen. Schlafen“ von Christine Thürmer ist das letzte „Sportbuch“ das ich im Juni gelesen habe. Thürmer erzählt von sich als erfolgreiche Geschäftsfrau, die irgendwann einfach mal „ausgestiegen“ ist und den Pacific Crest Trail entlang der kompletten Westküste der USA gewandert ist. Dieser Langstreckenwanderung folgen ebenso lange Wanderungen durch die Mitte der USA und entlang des Apalachian Trail an der Ostküste. Was sie dort erlebt und wie sich ihr privates und berufliches Leben dadurch verändert hat, erzählt sie sehr packend in ihrem Buch. Thürmer ist mittlerweile „hauptberufliche“ Aussteigerin und bewandert die ganze Welt.

Brexit

Passend zum Brexit habe ich im Juni das Buch „Merde in Europe“ von Stephen Clarke gelesen.

merde

Es ist der sechste Band der die Abenteuer des Engländers Paul West in Frankreich beschreibt. Davor schon erschienen sind „A Year in the Merde“, „Merde Actually“, „Merde happens“, „Dial M for Merde“ und „The Merde Factor“; auf deutsch gibt es die ersten vier Bände: Ein Engländer in Paris. Mein Jahr mit den Franzosen“, Ich bin ein Pariser. Ein Engländer entdeckt Frankreich“, „Merde happens. Ein Engländer aus Paris entdeckt Amerika“, Ein Engländer in Saint-Tropez. Mein Abenteuer am Mittelmeer“.

Es handelt sich nicht um große Literatur, aber um eigentlich sehr amüsante Romane bei denen die typischen Vorurteile von Briten gegenüber Franzosen (und umgekehrt) auf die Schaufel genommen werden. Im aktuellen Band wird Paul West von einer französischen Abgeordneten des Europaparlaments als Mitarbeiter engagiert. Er soll dabei helfen, die Stimmung in England zu beeinflussen, um einen Brexit abzuwenden. Das wird zumindest behauptet; in Wahrheit ist alles ganz anders. Ebenfalls ganz gute Urlaubslektüre.

Was ich sonst noch gelesen habe

Im Juni sind mir auch die Romane um Wayward Pines untergekommen (ich glaub, das ist jetzt auch ne Fernsehserie?). Die drei Bände „Pines“, „Wayward“ und „The last town“ (auf deutsch: „Psychose“, „Wayward“ und „Die letzte Stadt“) waren spannend. Die Grundidee der Geschichte ist originell und ich will sie hier gar nicht weiter erläutern um die Überraschung nicht verderben. Ein FBI-Agent kommt in ein kleines Kaff mitten im Nirgendwo um das Verschwinden einer Kollegin zu untersuchen. Und muss feststellen, dass dort irgendwie alles seltsam ist und es anscheinend unmöglich ist, die Stadt wieder zu verlassen. Wie gesagt: Die Bücher sind spannend und die Idee originell. Für meinen Geschmack hat man aus der Idee aber nicht das gemacht, was man daraus machen hätte können. Oft genug hab ich mich über die Handlung geärgert, die manchmal unlogisch und konstruiert erscheint. Noch öfter geärgert hab ich mich über den Stil, in dem das Buch geschrieben ist. Kurze Sätze. Zu kurz. Zu viel davon. Nur aneinandergereihte Wörter. Keine Verben. Ständig. Immer wieder. Nervig. Grauenhaft. Ärgerlich. Nicht zu lesen. Na ja, so ungefähr halt – der Stil ist zum Glück nicht durchgängig so und vermutlich will der Autor damit irgendwie dramatisch rüberkommen. Ich fands nervig.

daemon

Ich hab es im Juni auch endlich mal geschafft, „Daemon“ und „Freedom (TM)“ von Daniel Suarez zu lesen (auf deutsch „Daemon“ und „Darknet“). Ich habs ja eigentlich nicht so mit Computerbücher – aber in dem Fall war es eher der Klappentext der deutschsprachigen Ausgabe, der mich abgeschreckt hat. In Wahrheit spielen Computer, Hacker und der ganze Kram zwar ne relevante Rolle. Aber man muss kein Computerfreak sein, um die Handlung zu verstehen oder genießen zu können. Es geht um einen „Dämon“. Kein Ungeheuer aus einer anderen Dimension sondern einen im Hintergrund laufenden Computerprozess. Die Dinger kenne ich sogar ich noch aus der Zeit, in der ich mich mit Unix-Rechnern beschäftigt habe. Die machen normalerweise nicht mehr, als zB darauf zu warten, dass irgendwer ein Kommando an den Drucker schickt. Der Dämon in Suarez Buch ist aber viel hinterhältiger – und auf dem besten Weg, per Computer die ganze Welt umzugestalten… Ein super Buch, das man kaum mehr aus der Hand legen kann, wenn man mal damit angefangen hat.

Schließlich hab ich auch den Regionalkrimi „Im Schatten der Heidecksburg“ von Julia Bruns gelesen. Er spielt in Rudolstadt; gleich neben Jena. Der erste Band „Zwei Bier und ein Mord“ von Bruns hat mir sehr gut gefallen. Das neue Buch ist nicht mehr ganz so originell aber immer noch deutlich besser als das was man sonst so am überfüllten Krimimarkt finden kann.

Noch mehr Urlaubslektüre?

Das war es für den Juni – im Juli muss ich zwar immer noch ein wenig arbeiten, aber im August besteht die Chance das ich tatsächlich mal sowas wie Urlaub machen kann. Bis dahin hab ich hoffentlich passende Urlaubslektüre gefunden. Für Tipps zu guten Urlaubsbüchern bin ich dankbar – sagt in den Kommentaren Bescheid!

Die Links zu den Bücher sind Amazon-Affiliate-Links. Beim Anklicken werden keine persönlichen Daten übertragen.

11 Gedanken zu „Die seltsame Welt des Nischen-Sports, Brexit und Dämonen: Die Buchempfehlungen für Juni 2016“
  1. Die Bücher von Daniel Suarez hatte ich letztes Jahr gelesen und fand die auch echt gut, ziemliche Pageturner.

    Im Moment lese ich seit ein paar Wochen so nach und nach sämtliche Bücher von Andreas Eschbach. Könnte ich mir auch gut als Urlaubslektüre vorstellen – teilweise enorm spannend.

    Ich hab öfter mal so Phasen, in denen ich alle Bücher eines Autors / einer Autorin hintereinander weg lese. (Was allerdings den Nachteil hat, dass es jedesmal blöd ist, wenn man damit durch ist und es keinen Nachschub mehr gibt.)

    Ansonsten, wenn du noch Tipps haben möchtest:
    Einige meiner (immer wieder) angepriesenen Favoriten sind:

    Philipp Meyer
    Jonathan Franzen
    Jeffrey Eugenides
    Richard Powers
    Dave Eggers
    T.C. Boyle

  2. Siehste, ich wusste es – mein Stapel zu lesender Buecher ist wieder gewachsen 🙂 Die Laufbuecher klingen aber auch zu interessant. (wobei ich erwaehnen moechte, dass Fell Running auch in Schottland beliebt ist – wird da auch von der Ramsay Round https://www.ramsaysround.com/ gesprochen? Und den englischen und walisischen Versionen?)

    Was den Brexit betrifft – da schreibt das echte Leben momentan skurrilere Versionen als es sich jemand ausdenken koennte.

  3. Von Tor gibt es bei Amazon einige „Tor Bundles“ , SF & F – Novellas (also länger als Kurzgeschichten, aber kürzer als normale Romane). In so einem Bundle sind 3 Geschichten drin. Die Qualität ist wechselhaft, aber eine schlechte Geschichte ist mir noch nicht untergekommen – dafür ein paar richtig gute. Gerade für den Sommer und für den Kindle, ein guter Einkauf (aber auf englisch).

  4. empfehle folgende Lektüre:
    Pipa Goldschmidt: Weiter als der Himmel
    (Jeanette, frisch promovierte Astronomin, macht an einem Teleskop in den chilenischen Anden eine sensationelle Entdeckung, die diversen Gesetzen ihrer Wissenschaft diametral entgegensteht. Sie weiß nicht, ob sie ihre Ergebnisse veröffentlichen soll oder ob sie damit ihrer Karriere schadet. Schließlich tut sie es und hat die gesamte astronomische Welt gegen sich aufgebracht. Sie stürzt in einen Strudel, der schon bald ihr Privatleben mit sich reißt und sie zwischen den Mühlsteinen der Vergangenheit und der Gegenwart zu zermahlen droht. Bilder ihrer Schwester, die unter rätselhaften Umständen in ihrer Kindheit starb, spannen sich vor die Wirklichkeit. Sie sucht den Himmel und die Erde nach ihr ab und verliert sich dabei selbst.
    Pippa Goldschmidts erster Roman ist zugleich tragische Kindheitsgeschichte und Wissenschaftssatire: Virtuos wechselt er die Erzählebenen, die sich schließlich mehr und mehr vermischen.) bei Booklooker
    – Max Bronski: Der Tod bin ich (ausführliche Besprechung unter krimi-couch.de)
    – über Kepler: Coelho Ahndoril, Alexandra: Der Astronom des Königs,Ullstein TB; 2004 ebenfalls gevraucht zu bekommen

  5. Noch ein Literaturhinweis:
    – Linus Reichlin: Der Assistent der Sterne
    https://www.krimi-couch.de/krimis/linus-reichlin-der-assistent-der-sterne.html
    „(…)Für Die Sehnsucht der Atome hat der Autor den Deutschen Krimipreis 2009 bekommen. Der ehemalige Werbetexter und Journalist reüssiert auch mit Der Assistent der Sterne, indem er weiterhin auf die Verwebung von physikalischer Erklärung, philosophischer Betrachtung und den Unwegsamkeiten eines Kriminalfalles setzt“.

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