Der Chiemgau in Bayern ist eine schöne Gegend. Ich war selbst noch nicht dort, hab aber schon viel davon gehört. Nicht so sehr vom Chiemgau selbst, sondern vom ominösen „Chiemgau-Impakt“. Denn angeblich soll dort zur Zeit der Kelten ein Komet eingeschlagen haben. Eine spektakuläre These – die leider komplett falsch ist. Das hindert eine Gruppe von Hobby-Wissenschaftlern namens Chiemgau Impact Research Team (CIRT) allerdings nicht, die Geschichte vom Einschlag im Chiemgau zu verbreiten (und die lokale Politik unterstützt so etwas auch gerne Mal, immerhin lässt sich so ein Einschlag gut touristisch ausschlachten). Die These hat es sogar in einen erstaunlich unkritischen Terra-X-Beitrag des ZDF geschafft (Danke an Christian für die DVD). Ich habe zu diesem Thema schon zwei ausführliche Stellungnahmen von echten Experten veröffentlicht (hier und hier). Ein echter Einschlagskrater wäre natürlich ein toller Platz, den mein „Krawumm“ auf seinerReise um die Welt besuchen könnte. Immerhin sind Asteroideneinschläge ein wichtiger Teil des Buches. Aber irgendwie passt der Chiemgau mit seinem Fake-Impakt auch recht gut.

Deswegen freue ich mich, dass es Leser Stephan mit auf die 1669 Meter hohe Kampenwand in den Chiemgauer Alpen genommen hat:

Danke!


Was bisher geschah: Teil 1: Die staubige Fabrik, Teil 2: Rindviecher, Teil 3: Das Krawumm will hoch hinaus, Teil 4: Eishockey und Nobelpreis, Teil 5: Der Weltskeptikerkongress, Teil 6: James Randi!, Teil 7: Bulgarische Berge, Teil 8: Auf hoher See, Teil 9: Das Buch im Transit, Teil 10: Der Berliner Flughafen, Teil 11: Flauschige Eichhörnchen, Teil 12: Der Bund fürs Leben, Teil 13: Der weiße Gott, Teil 14: Besuch auf Tatooine, Teil 15: Bei den alten Römern, Teil 16: Gaudi in Barcelona, Teil 17: Geysire im Yellowstone-Park, Teil 18: Urlaubslektüre in Antalya, Teil 19: Das Unheil kommt von oben, Teil 20: Die chinesische Mauer, Teil 21: Moskau!, Teil 22: Die Abenteuer des kleinen Krawumm in der Stadtbücherei, Teil 23: Das Krawumm geht in die Luft, Teil 24: Im Land der kleinen Ponys, Teil 25: Hoch oben unter den Sternen, Teil 26: Himmelsbeobachtung, Teil 27: Funkkontakt zur Erde, Teil 28: Natur und Technik, Teil 29: Der (noch) intakte Eiffelturm, Teil 30: Zwischen Pol und Äquator, Teil 31: Ganz oben im Montafon, Teil 32: Im Wilden Westen, Teil 33+34: Kollisionen am CERN, Teil 35: Nicht blinzeln!, Teil 36: Die Hauptstadt des Honigs, Teil 37+38: Kollidieren Menschen und komische Kostüme, Teil 39: Am Anfang der Astronomie, Teil 40+41: Im hohen Norden und im ganz hohen Norden

8 Gedanken zu „Ein Krawumm geht um die Welt (42): Im Chiemgau beim Fake-Krawumm“
  1. In Traunstein ist im Ausstellungsraum in der ehemaligen Klosterkirche derzeit eine Ausstellung über den Chiemgau Impact, die in der Stadt auch mit Plakaten beworben wird.
    Es kam mir schon immer komisch vor, dass ein Verein zur Erforschung dieses Ereignisses gegründet wird, der den Impact als gesichert annimmt. Meiner Meinung nach gehört zur Wissenschaft auch und gerade die Falsifizierbarkeit von Hypothesen und wenn man das hier so liest, scheint
    bei diesem angeblichen Impact Skepsis angebracht
    Aber bei den Traunsteinern und deren Lokalpolitikern ist die Kritikfähigkeit nicht so verbreitet, wie die gescheiterte Homöopathie Uni in Traunstein letztes Jahr gezeigt hatte

  2. Heissluft mit null Inhalt: Zitat „Es kam mir schon immer komisch vor, dass ein Verein zur Erforschung dieses Ereignisses gegründet wird, der den Impact als gesichert annimmt. Meiner Meinung nach gehört zur Wissenschaft auch und gerade die Falsifizierbarkeit von Hypothesen und wenn man das hier so liest, scheint bei diesem angeblichen Impact Skepsis angebracht Aber bei den Traunsteinern und deren Lokalpolitikern ist die Kritikfähigkeit nicht so verbreitet, wie die gescheiterte Homöopathie Uni in Traunstein letztes Jahr gezeigt hatte“

  3. Ein Meteoriteneinschlag hinterlässt ganz typische Spuren in der Landschaft, die man als Geologe recht leicht erkennt. Zum einen sind in der direkten Umgebung des Kraters, also rund herum und drunter sogenannte Impakt- Brekkzien zu finden, will sagen, die sind nicht nur zu finden sondern die ganze Gegend besteht im Prinzip daraus. Das Gestein ist sozusagen zerkrümelt und auch recht wirr gemischt. einzelne grössere Brocken (die in sich ebenfalls zerkrümelt sind) liegen auf dem Kopf oder auf der Seite, in alle Richtungen, völlig aus dem Kontext der geologischen Umgebung gerissen.
    Zweitens findet man im Mikroskop den Quarz als Hochdruckmodifikation mit anderer Kristallstruktur, ein sicherer Hinweis darauf, dass im Moment des Einschlages sehr kurzfristig ein extrem hoher Druck herrschte, aber nur ganz kurz hohe Temperaturen. Wäre die Temperatur länger hoch gewesen, dann hätte der Quarz sich wieder in die Niederdruckmodifikation verwandelt, so ist er sozusagen abgeschreckt worden und hat sich erhalten.
    Diese beiden Dinge findet man in und um JEDEN Einschlagkrater (man kann auch Mikrodiamanten finden).
    Man findet sie NICHT beim vermeintlichen Chiemgaukrater, und damit sollte das ganze eigentlich komplett vom Tisch sein

  4. Mit dieser Darlegung, wenn Sie stimmt, wäre der Chiemgau Impakt falsifiziert!
    Damit müsste sich der Verein auflösen!
    Das wird nicht der Fall sein, da der Verein zur Erforschung des Chiemgau Impakt in unzulässiger Weise Politik und Wissenschaft verquickt
    Zur Wissenschaft gehört gerade, dass man bei Falsifizierung eine Hypothese aufgibt, auch wenn dann Jahre einer Forschung umsonst waren
    Das ist nicht heiße Luft und nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern eineallgemein anerkannte wissenschaftstheorie zB des Philosophen Popper(Logik der Forschung)
    Viele Grüssse aus TS

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