Was ist ein Planet? Und warum ist Pluto seit 2006 keiner mehr? Über dieses Thema und die Schwierigkeiten, eine entsprechende Definition zu finden habe ich schon im Juni einen Beitrag geschrieben. Die Wissenschaftler sind sich allerdings immer noch nicht einig, wie man nun genau definiert, was ein Planet ist und was nicht. Die Diskussion um eine neue Definition wird sicher auch eines der umstrittensten Themen bei der Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union nächstes Jahr in Brasilien sein. Schon diese Woche wird allerdings bei einer speziellen Konferenz in Amerika über die Planetendefinition geredet.

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The Great Planet Debate: Science as Process“ heisst die Konferenz, die von 14. bis 16. August an der Johns Hopkins Universität stattfinden wird. Ziel dieses Treffens ist es, „eine grundlegende aber umstritten Frage zu klären: Was ist ein Planet?“.

Das Program klingt sehr interessant: die dynamische Definition eines Planeten (das ist die aktuell gültige) wird in einem Vortrag von Hal Levison vorgestellt; Mark Sykes wird über eine physikalische Definition sprechen. Sehr interessant finde ich auch, dass bei dieser Konferenz nicht nur über wissenschaftliche Forschung diskutiert wird, sondern auch darüber, wie sich Wissen am besten vermitteln lässt. So hält Larry Lebofsky beispielsweise einen Vortrag über „Die Herausforderung und die Möglichkeiten für Lehrer“. Es stehen Vorträge über Exoplaneten auf dem Program; auch über Planetenentstehung und Planetenmigration wird gesprochen werden. Am Ende des ersten Tages gibt es dann noch eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Wie können Entstehung und physikalische Eigenschaften Auskunft über eine Planetendefinition geben?“.

Direkt im Anschluß gibt es eine öffentliche Diskussion zwischen Mark Sykes (einem der Organisatoren der Konferenz) und Neil deGrasse Tyson (ein in Amerika sehr bekannter Astrophysiker und Fernsehmoderator). Diese Diskussion – die hier in Deutschland um 22:30 beginnt – kann man sich live übers Internet ansehen (man muß sich vorher aber hier anmelden). Tyson selbst schlägt übrigens ein ziemlich innovatives und extremes Konzept vor: anstatt einer Definition des Wortes „Planet“ möchte er ein Klassifizierungssystem analog zur Biologie einführen in dem Himmelskörper anhand ihrer Eigenschaften (z.B. Masse, Rotation, Ringe, Monde) klassifiziert und bezeichnet werden.

Auch das Program des zweiten Tages sieht interessant aus. Nach einem historischen Überblick über Planetendefinitionen hält Dave Morrison einen Vortrag darüber, warum eine Definition des Begriffs „Planet“ eigentlich unnötig ist. Am Nachmittag hingegen spricht Laurel Kornfeld zum Thema „Eine Planetendefinition ist wichtig“ – das klingt nach heftigen Diskussionen ;). Die Lehre und der Unterricht in Schulen stehen auch am zweiten Tag auf dem Program; auch eine Podiumsdiskussion am Nachmittag beschäftigt sich damit.

Am Samstag wird dann schließlich auch noch über die Weltraummissionen zu den „Fast-Planeten“ Pluto, Ceres und Vesta (New Horizons und Dawn) gesprochen.

Alles in allem klingt das nach einer äußerst interessanten Konferenz! Schade nur, dass sie in den USA stattfindet – ansonsten hätte ich sicher ernsthaft überlegt, teilzunehmen. Aber ich werde trotzdem probieren, soviel wie möglich über die Vorträge und Diskussionen herauszufinden und nach Möglichkeit auch über die öffentliche Diskussion zwischen Syke und Tyson berichten.

Ein Gedanke zu „Die große Planetendebatte“
  1. eine taxonomie der himmelsobjekte klingt ganz toll, wird aber wahrscheinlich genaus so viele diskussionen wie in der bilogie und anderswo aufwerfen. dass sich eine konferenz mit der wissenvermittlung befasst, war schon lange notwendig. gebe Flo recht: schade, diese konferenz nicht in unserer nachbarschaft stattfinden zu sehen.

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